Homepage von Dietmar Posselt

Unabhängigkeit von den US-Techkonzernen

Auf meiner Seite zur digitalen Unabhängigkeit habe ich geschrieben, dass jeder kleine Schritt zählt und dass der Verzicht auf Komfort ein bewusster Preis für mehr digitale Freiheit ist. Das stimmt weiterhin. Aber ich muss ehrlich zugeben: Ich hatte mir das eine oder andere einfacher vorgestellt. Diese Seite ist so etwas wie ein Erfahrungsbericht – was ich versucht habe, was funktioniert hat und wo ich an Grenzen gestoßen bin, die ich dann doch nicht überschreiten wollte.

Der Plan: WhatsApp in einen Container

Der Auslöser war WhatsApp. In meinem Beitrag Tschüss WhatsApp habe ich beschrieben, dass ich so viele Kontakte wie möglich zu Signal bewegen will. Das ist mir bei einigen gelungen, aber längst nicht bei allen. Und dann gibt es da noch die Gruppen: Skat, Tennis, Familie – die lassen sich nicht einfach per SMS ersetzen. Ein Umzug einer Gruppe funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Bei größeren Gruppen ist das illusorisch.

Also kam die Idee auf, WhatsApp in einen sogenannten Container (Work Profile, z.B. mit der App Shelter) zu verlagern. Die Vorstellung: eine abgeschottete Umgebung mit einem winzigen Adressbuch von vielleicht einem Dutzend Kontakten. WhatsApp sieht nur diese wenigen Leute, nicht mein ganzes Telefonbuch. Die Hauptumgebung bleibt sauber. Das klang nach einem guten Kompromiss – ein kleiner Schritt, der die Abhängigkeit reduziert, ohne dass ich komplett aussteigen muss.

Was ich dabei gelernt habe

Die technische Seite ist machbar. Auf einem Testgerät (ein Oukitel WP32) habe ich das durchgespielt: Debloaten mit Shizuku und Canta, ein Work Profile mit Shelter einrichten, Google-Dienste darin isolieren. Das funktioniert. Der Container trennt tatsächlich die Daten. Andere Apps auf dem Telefon sehen nicht, was im Container passiert.

Aber dann kamen die Details, und die haben die Rechnung verändert:

Google verbindet die Konten trotzdem. Ein Work Profile ist eine Isolierung auf Systemebene. Es verhindert, dass andere Apps in den Container schauen. Es verhindert aber nicht, dass Google selbst erkennt, dass auf demselben Gerät mehrere Konten aktiv sind. Über Gerätekennungen, die Netzwerkumgebung und die standardmäßig aktive Telefonnummern-Verifizierung lassen sich Konten im Hauptprofil und im Container einander zuordnen. Die Isolierung schützt also die Daten, nicht meine Identität gegenüber Google.

Android Auto ist die harte Grenze. Das war für mich der entscheidende Punkt. Automatische drahtlose Verbindung im Auto ist für mich nicht verhandelbar. Und das funktioniert auf einem nicht gerooteten Android-Telefon nur mit Google Play Services und einem Google-Konto im Hauptprofil. Es gibt keinen zuverlässigen Weg daran vorbei. Ein Zweitgerät wäre theoretisch denkbar, aber dann trage ich zwei Telefone herum, muss beide laden, beide mit Internet versorgen (Tethering, Hotspot, Tasker-Automatisierung) – der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Der Nutzen schrumpft. Wenn ich im Hauptprofil ohnehin ein Google-Konto für Android Auto brauche und Google dieses Konto mit dem Container-Konto verknüpfen kann, dann bleibt vom Container nur noch eine Datenkompartimentierung übrig. Das ist nicht nichts – aber es ist deutlich weniger, als ich mir erhofft hatte. Der Overhead im Alltag (Profilwechsel, Benachrichtigungen, getrennte Kontaktlisten) wiegt diesen kleinen Gewinn aus meiner Sicht nicht auf.

Was das für mich bedeutet

Ich höre hier auf. Nicht weil ich meine Ziele aufgegeben hätte, sondern weil ich die Grenzen realistisch einschätze. Solange ich ein Firmenhandy mit Google-Zwang und ein nicht gerootetes Android-Gerät nutze, ist die vollständige Unabhängigkeit auf dem Mobilgerät nicht erreichbar. Der Preis wäre ein Komfortverlust und ein organisatorischer Aufwand, der in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Datenschutzgewinn steht.

Was ich weiterhin tun werde: Wo es ohne großen Aufwand möglich ist, deaktiviere ich Telemetrie- und Datenschutzoptionen. Ich nutze weiterhin Here WeGo statt Google Maps, Firefox statt Chrome, DuckDuckGo statt Google Search, Signal wo es geht. Aber ich akzeptiere, dass Google weiß, wer ich bin, und dass es diese Daten für sein Geschäft nutzt. Das ist keine schöne Erkenntnis, aber eine ehrliche.

Vielleicht ändert sich die Situation irgendwann – ein anderer Arbeitgeber, ein Gerät, das ich rooten darf, ein Auto mit eingebauter Navigation ohne Android Auto. Dann würde ich den Faden wieder aufnehmen. Bis dahin gilt: kleine Schritte, wo sie gehen, und Gelassenheit, wo sie nicht gehen.

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